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Tierheim Selb und Umgebung - Aktuelles

Maya – Vom Tierheimhund zum IronDog

Maya kam zu uns wie ein Überraschungsei im Osternest. Im April 2017, kurz vor den Osterfeiertagen, las ich eine Beschreibung der zu diesem Zeitpunkt 6 Monate alten Hündin auf der Internetseite des Tierheims Selb und war sofort angetan.

Nach etwa einer Woche ausführen und ein bisschen aneinander gewöhnen, war es beschlossene Sache. Maya zog bei uns ein.

Sie entpuppte sich schnell als Hündin, die sofort auf 180 war, wenn sie etwas Interessantes sah. Und interessant war für sie damals so ziemlich alles: Blätter, Bienen, Schmetterlinge, Menschen, Hunde, Katzen, Autos, Hasen, Rehe, Vögel… (die Liste ließe sich beliebig fortsetzen). Sie war dann in keiner Form mehr ansprechbar und dementsprechend außer Rand und Band. Von Leinenführigkeit keine Spur, Aufnahmebereitschaft und Zusammenarbeit mit mir gleich null.

Das größte Problem war zudem noch, dass ich sie nicht ableinen konnte. Ihre jagdliche Motivation war zu stark ausgeprägt und sie ließ sich auch noch nicht richtig Abrufen. Das hieß also Schleppleine für ungewisse Zeit. Das hatte aber wiederum zur Folge, dass sie sich nie richtig strecken konnte beim Laufen, nie im Galopp rennen und das ist natürlich nicht gut für die Entwicklung eines jungen Hundes, der gerade die Welt erobern möchte.

Also habe ich mein längst vergrabenes Wissen über den Zughundesport ausgepackt und beschlossen, dass wir das als Ausgleich jetzt versuchen.

Als sie etwa 11 Monate alt war, hat Maya ihr erstes Zuggeschirr bekommen. Und was soll ich sagen – hier haben wir einen Volltreffer gelandet.

Maya liebte das Laufen mit mir vom ersten Tag an und blühte dabei sichtlich auf. Sobald sie das Geschirr, die Zugleine und den Hüftgurt sah, war sie Feuer und Flamme. Sie hörte mir plötzlich zu, wenn ich etwas von ihr wollte, war aufnahmebereit und setzte die gelernten Hörzeichen gerne um, nur damit sie Rennen konnte. Hier war sie in ihrem Element.

Von nun an liefen wir etwa 2-3x die Woche. Zunächst nur kurze Einheiten im Zug, da ihr und mir noch die Kraft und die Ausdauer fehlte, um länger in dieser Geschwindigkeit im Gelände zu laufen. Aber wir lernten schnell und wurden besser. Auch im Alltag war der Umgang mit ihr nun wesentlich leichter, da sie viel ausgeglichener wurde. Und es machte uns beiden riesig Spaß.

Dann las ich in einer Fachzeitschrift einen Artikel über den „IronDog“. Das war der ultimative Mensch-Hund-Triathlon der seit 9 Jahren in Litschau in Österreich stattfand.  

Zu absolvieren sind 150m Schwimmen, 4 km Radfahren und 4 km Laufen, das alles in anspruchsvollem Gelände, über Felsen, durch Wasserfurten, 80 Grad Steigungen hinauf und wieder runter. Das natürlich mit dem Hund im Zug vorneweg. Zwei Durchgänge an zwei Tagen, inklusive einem zusätzlichen ca. 4 km langen Nachtlauf am ersten Wettkampftag. Ich war sofort begeistert! Das war genau die richtige Herausforderung für uns.

Das war kein Sonntagsspaziergang mit Picknick. Ohne Teamarbeit und Training ist so eine Herausforderung für Mensch und Hund natürlich nicht machbar.

Bisher waren wir ja nur im Canicross gelaufen und noch nicht einmal Fahrrad gefahren. Somit dachte ich, dass wir da noch etwas Zeit brauchen, für ein so großes Event und plante grob für 2019 mit einer Teilnahme.

Als ich verletzungsbedingt im Januar 2018 mit dem Laufen pausieren musste, spannte ich Maya das erste Mal vor dem Mountainbike an. Ich war verrückt genug, dies bei geschlossener Schneedecke zu tun. Aber auch das meisterte sie hervorragend und setzte auch hier die geforderten Hörzeichen schon sehr gut um.

Zu Trainingszwecken nahmen wir im Frühjahr an zwei Wettkämpfen teil und sie schlug sich zwischen den anderen Teams sehr gut. Ich liebäugelte hier schon, uns eventuell doch beim diesjährigen Event in Österreich anzumelden.

Dann kam Anfang Juni der Tag der Anmeldung für den IronDog 2018. In einem abendlichen Anflug von Wahnsinn habe ich uns dann für den Triathlon angemeldet. (geht ja praktisch vom Sofa aus zu Hause 😊) Wir mussten in der „Rookie“ -Klasse melden, wie alle Erststarter die noch nie beim IronDog teilgenommen haben.

Ich fragte mich natürlich anschließend bei jedem harten Training mehrfach, warum ich das getan hatte und schob es auf einen Moment geistiger Umnachtung. Außerdem musste Maya noch schwimmen lernen und das wollte einfach nicht klappen. Jegliche Motivation sie dazu zu bewegen schlug fehl. Ok, dann eben nicht. Somit meldete ich uns ziemlich zeitig um, so dass wir jetzt Teilnehmer beim IronDog in der Klasse „Rookie Duathlon, Bike, weiblich“ waren. Wir hatten also „nur“ das Biken und Laufen zu absolvieren, ohne die 150 m schwimmen im Teich.

Dann kam der Tag der Anreise nach Litschau und das Event stand bevor. Maya war total ruhig und zwischen den über 150 Startern aus 9 Nationen nur mäßig aufgeregt. Ganz im Gegensatz zu mir. Am Liebsten wäre ich wieder abgereist. Eine kurzfristige Panik überkam mich.

Der Freitagabend bestand aus dem Veterinärcheck für die Hunde, der Startnummernausgabe, dem Empfangen des Transponders (für die Zeitmessung) und natürlich der „Musher-Besprechung“ um die letzten Informationen über den Wettkampf zu erfahren.

Verletzungsfrei durchkommen – das ist alles was ich uns als Ziel setzte, als ich Teile der Strecke sah.

Der erste Wettkampftag am Samstag hatte es in sich. Maya startete hervorragend und rannte was das Zeug hielt, überholte Teams als wäre es eine Selbstverständlichkeit und ließ sich auch wieder problemlos von Schnelleren auf den schmalen Trails überholen. Sie kletterte über Felsen, als wäre es nichts, durchquerte die Wasserläufe im Sprint. Sie zeigte echten Wettkampfgeist. Als wir das erste Mal an diesem Tag über die Ziellinie liefen, fühlte es sich schon überwältigend an und ich war jetzt schon stolz auf meinen kleinen Hund.

Kurz vor dem Nachtlauf am Samstag, sah ich die bisherige Ergebnisliste durch und war überrascht. Wir lagen auf Platz 1 nach dem ersten Durchgang! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, aber nun war natürlich ein gewisser Ehrgeiz geweckt. Der Nachlauf begann für uns um 21.27 Uhr. Eine Stirnlampe war für diesen Lauf Pflicht und wir starteten wieder voll motiviert. Die Dunkelheit machte uns nichts aus und wir kamen schnell und verletzungsfrei durch das Gelände. Und Maya hatte richtig Spaß daran im Dunkeln durch den Wald zu laufen.

Dann kam der Sonntag, unser zweiter Wettkampftag und nochmal die gleiche Strecke.

Unsere Startzeit wurde zum Glück etwas vorverlegt und so mussten wir nicht so lange warten, bis es auch heute wieder hieß: 3, 2, 1 und go!

Jede einzelne meiner Muskelfasern schmerzte, aber wir wollten ja gemeinsam den Platz verteidigen und Maya war einfach noch fitter als ich. Somit musste ich eben die Zähne zusammenbeißen und für meinen Teampartner alles geben, denn sie hatte es absolut verdient.

Wir kämpften mit unserem direkten Verfolgerteam auf Augenhöhe und wechselten uns auf dem Trail ein paarmal in der Führung ab. Maya ließ sich aber nicht abhängen und so kamen wir immer wieder an das andere Team heran. Am Ende des Canicross Laufs lagen wir wieder gleichauf und passierten auch fast zeitgleich die Ziellinie. Die Finisher Medaille hatten wir schon mal umgehängt bekommen und ein Gefühl von Glück und Stolz machte sich breit.

Jetzt war nur noch die Frage, ob es für den Gesamtsieg in der Rookie-Klasse Duathlon, weiblich, Bike, gereicht hatte. Ich kannte die Ergebnisse des Nachtlaufs nicht, und wusste somit auch nicht ob und wie viel Zeit wir noch Vorsprung hatten. Aber es wäre mir auch egal gewesen. Wir hatten alles rausgeholt, was möglich war.

Als die Ergebnisliste endlich aushing, war der Tag perfekt. Wir hatten gewonnen! Mit einer Gesamtzeit von 1:51:55 waren wir in unserer Klasse Sieger geworden. Leckerlies und Futter für Maya, sowie ein Pokal, eine Urkunde und der oberste Podestplatz waren unser Lohn. Ich war extrem stolz auf uns.

Diese zwei Tage in Österreich waren für mich das Sinnbild vom gelebten Teamspirit. Es war ein Erlebnis der Sonderklasse mit absolut überwältigenden, faszinierenden und bleibenden Eindrücken, die ich ohne meinen Hund aus dem Tierheim niemals hätte haben können.

Danke dafür, Maya!

Danke an das Tierheim Selb, dass ihr mir diesen Hund gegeben habt!

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